EU-weites Verbot von Pomacea-Arten

EU-weites Verbot von Apfelschnecken

Die Apfelschnecken der Gattung Pomacea sind ursprünglich in der Neuen Welt zuhause. Seit den 1970er Jahren wurden sie in verschiedenen Ländern des tropischen Asiens eingeführt, um eine Proteinquelle für die Bevölkerung zu schaffen. Hierzu wählte man die stark pflanzenfressende Pomacea canaliculata, und vermutlich gelangte auch Pomacea insularis mit diesen Projekten nach Asien. Wie es eigentlich leicht vorhersagbar war, gingen diese Einführungen völlig daneben – hätte man Aquarianer gefragt, wäre es besser gelaufen. Die Schnecken wurden von der Bevölkerung weit weniger als angenommen akzeptiert, entwickelten sich rasch zu bedeutenden Schädlingen, besonders in den Reisfeldern, brachten ihre Parasiten und Krankheiten mit und verdrängten heimische Arten.

Im Juli 2009 wurde Pomacea insularis erstmals in Spanien entdeckt, und zwar im Ebro-Delta. Im Jahr darauf fanden sich erste Populationen in Reisfeldern. Die Herkunft ist bis heute unklar, das Landwirtschaftsministerium hat die Aquarianer im Verdacht, aber auch Teichwirte, die die Schnecken zur Entkrautung der Gewässer eingesetzt haben könnten.
Auch in Spanien richtete diese Schnecke schnell merkbare Schäden an, und es wurde über Maßnahmen zur Bekämpfung nachgedacht.

Die Europäische Kommission beauftragte deshalb das EFSA Panel on Plant Health mit einer Studie über das Potential von Apfelschnecken als invasive Schädlinge.
Die Studie ist wirklich nicht schlecht gemacht, offensichtlich sorgfältig recherchiert und liefert schlüssige Begründungen, insbesondere durch die sorgfältigen Klimavergleiche im Herkunftsgebiet der Apfelschnecken mit Europa, wobei auch die Auswirkungen durch die klimawandelbedingt zu erwartenden Temperaturerhöhungen von 1 oder 2 °C analysiert werden. Das umfangreiche Literaturverzeichnis bietet für jeden Apfelschneckenfreund eine gute Möglichkeit zur Fortbildung. Ein zweites, deutlich schlechter recherchiertes Gutachten beschäftigte sich mit der Frage nach der zuverlässigen Bestimmbarkeit der Arten. Da die Taxonomie der Gattung Pomacea bisher, zumindest teilweise, sehr undurchsichtig war wurde empfohlen, alle Arten der Gattung zu reglementieren. Dies ist allerdings für die aquaristisch bedeutende Pomacea diffusa, früher als P. bridgesii bekannt, von der Hand zu weisen, da sie durch ihre kantigen und deutlich ohne eine Rinne abgewinkelten Umläufe auch für den Laien sicher von den anderen Arten zu trennen ist.

Darauf folgte die Katastrophe, die die EU jetzt daraus gemacht hat.
1. Die Einfuhr von Schnecken der Gattung Pomacea in die EU ist verboten, ebenso wie die Verbreitung innerhalb der EU.
2. In europäischen Gebieten, in denen Vorkommen von Arten der Gattung Pomacea vermutet werden, sollen Untersuchungen durchgeführt und die Bestätigung gemeldet werden.
3. Entdeckte Bestände sind auszurotten.
4. Alle EU-Mitgliedsstaaten müssen ihre Gesetzgebung entsprechend anpassen.
5. Pflanzen aus von Pomacea-Arten bewohnten Gebieten müssen bei der Einfuhr in die EU gründlich kontrolliert werden. Sie benötigen jetzt einen „Pflanzenpass“.

Welche Auswirkungen hat das für Aquarianer?
Der Beschluß läßt sich nicht darüber aus, wie mit den in der Aquaristik vorhandenen Apfelschnecken zu verfahren ist, und auch nicht, ob die Vermehrung weiterhin gestattet ist. Eindeutig wurde nur festgelegt, daß die Verbreitung, worunter wohl auch der Handel und die private Abgabe zu verstehen ist, verboten wurde. Und das ausgerechnet bei einem der beliebtesten Aquarientiere!

Die Beschlüsse zu den Wasserpflanzen lassen aufhorchen, denn man muß zukünftig wohl von der Behandlung von Pflanzen mit Molluskiziden ausgehen – eine mehrwöchige Quarantäne mit regelmäßigem Wasserwechsel ist zu empfehlen!

Hochinteressant wird es übrigens sein, wie EU-Mitglieder wie Französisch-Guyana und verschiedene Karibik-Inseln jetzt ihre heimischen Bestände verbuchen. Aufgrund dieses EU-Beschlusses müßten die heimischen Arten nämlich ausgerottet werden.

Bis zum 28. Februar 2015 soll der Beschluß überprüft werden. Es liegt also an uns Aquarianern, bis dahin möglichst viele Ergebnisse und Beobachtungen zu den Apfelschnecken zu liefern, um zumindest die beliebte Pomacea diffusa (ehemals brigdgesii) weiterhin pflegen zu können.



Quellen

Die Europäische Kommission 10.11.2012 -- Durchführungsbeschluß der Kommission vom 8. November 2012 hinsichtlich Maßnahmen zum Schutz vor der Einschleppung der Gattung Pomacea (Perry) in die EU und ihrer Ausbreitung in der EU (Bekanntgegeben unter Aktenzeichen C(2012) 7803). -- Amtsblatt der Europäischen Union L311: 14-17.

European Food Safety Authority 2012 -- Scientific Opinion on the evaluation of the pest risk analysis on Pomacea insularum, the island apple snail, prepared by the Spanish Ministry of Environment and Rural and Marine Affairs. -- EFSA Journal 10(1): 2552.

European Food Safety Authority 2012 -- Statement on the identity of apple snails. -- EFSA Journal 10(4): 2645.

Pomacea-Arten im WirbellosenZentrum



Autor

Dr. Oliver Zompro

 

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